Gesellschaft Der Wikinger | NORWIK

Silber in der Wikingerzeit

Über 60000 arabische Silbermünzen aus der Wikingerzeit hat man in Skandinavien gefunden. Man bezeichnet sie manchmal als kufische Münzen, da die Schrift auf den Münzen ihren Namen von der Stadt Kufah in Mesopotamien erhielt.

Ihre Inschriften sind besonders informativ, da sie den Namen des Prägeortes und das Prägedatum nennen.

Silber in der Wikingerzeit
© Ian Richardson / Flickr: Group shot of the artefacts

Die Wikingerhändler führten stets eine kleine Silberwaage mit sich. Man konnte sie zusammenlegen, so dass sie in eine kleine Schachtel passte.

Während der Wikingerzeit benutzte man in den meisten Teilen Skandinaviens Münzen nicht als Zahlungsmittel, alles Silber und Gold behandelte man wie Barren; es wurde vom Händler mit seiner tragbaren (und genial zusammenklappbaren) Waage gewogen. Unter diesen Umständen war es uninteressant, das wertvolle Metall in Münz Form aufzubewahren.

Man schmolz es ein und goss es in Barren, meist aber verarbeitete man es zu Schmuck, so dass der Besitzer seinen Wohlstand in auffälliger Weise zeigen konnte. Sowohl Barren als auch Schmuck konnte man später teilen, wenn man „Kleingeld“ benötigte.

Silberschätze der Wikinger

Silberschätze der Wikinger, von ihren Eigentümern aus Sicherheitsgründen vergraben, setzen sich daher meist aus den verschiedenartigsten Gegenständen zusammen: Münzen und Barren, Broschen, Anhänger, Halsreifen, Armreifen, Fingerringe – alles in vollständiger Form oder zerlegt (sogenanntes „Hacksilber“).

Weit über 1000 Silber- und einige Goldschätze fand man im Skandinavien der Wikingerzeit, obwohl es damals dort keine einheimischen Quellen für diese Metalle gab. Angesichts dieser Beweise gibt es keinen Zweifel am Erfolg der Wikinger bei der Anhäufung großer Reichtümer, sei es auf geraden oder krummen Wegen.



Charakterzüge der Wikinger

Was waren die Wikinger für Leute? Worin bestand das Eigentümliche ihrer Lebensweise, ihrer Art zu kämpfen und ihrer Entdeckungs-, Handels- und Eroberungsfahrten?

Charakterzüge der Wikinger
© Klaudia Karpińska / hrafnphotography.wordpress.com

Sie nehmen in der Geschichte einen besonderen Platz ein, weil sie Charakterzüge aufwiesen, die in der frühen mittelalterlichen Welt ungewöhnlich waren, und Verhaltensweisen zeigten, die ihrer Natur und ihrem Willen zum Überleben entsprangen.

Unter diesen Eigenschaften waren Kühnheit und Treue, Gewandtheit im Gebrauch von Waffen, persönliche Tapferkeit und die Bereitschaft, große Wagnisse einzugehen und dafür auch das Leben einzusetzen. Nicht nur die Verteidigung ihrer Höfe und Besitztümer, sondern auch ihr Erfolg auf Beutezügen hingen ab von ihrer Kampfbereitschaft.

Das erste, was ein Junge in den Wikingerländern lernte, war, mit Pfeil und Bogen zu schießen, Schwert und Axt zu führen und mit dem Speer eine Scheibe zu treffen. Vor allem anderen sehnte er sich nach dem Vorrecht, auf Wikingerfahrt zu gehen, und das hieß, an einem Beutezug an fernen Küsten teilzunehmen.

Er wusste, dass sich seine Kampftüchtigkeit auf waghalsigen Seereisen bewähren musste, wenn er einen festen Platz in der Wikinger-Gesellschaft finden wollte.

Wie sahen die Wikinger aus?

Die Wikinger benahmen sich nicht nur wie Krieger, sondern sahen auch so aus. Natürlich trugen sie keine Uniformen; doch sie waren ziemlich einheitlich gekleidet. Die Beine ihrer warmen Wollhosen wurden mit den Riemen der Lederschuhe eng um die Waden geschnürt. Der langärmelige weiße Rock reichte bis zu den Knien.

Darüber zog man häufig noch ein Kettenhemd aus unzähligen ineinander verschlungenen kleinen Eisenringen. Schließlich trugen manche noch einen langen Mantel von roter, orangener, blauer oder purpurner Farbe, der oben eine Kapuze hatte, die man bei Regen über den Kopf ziehen konnte.

Um den Leib trugen die Wikinger einen Ledergurt mit Schnallen aus Gold und Silber, um die Handgelenke und Oberarme Reifen aus Gold. Als Kopfschutz diente ihnen in der Schlacht ein runder oder konisch zugespitzter Helm aus Metall oder dickem Leder, der gelegentlich mit einem Nasenschutz versehen war.

Helme in Form von Tierköpfen mit Schwingen oder Hörnern gab es nur selten; sie waren offenbar den Anführern und Leuten aus vornehmem Geschlecht vorbehalten.

Das Haar trug man so lang, dass es den Nacken bedeckte; üblich waren auch Schnurrbärte und spitz gestutzte Kinnbärte. Die Wikinger führten Speere sowie Pfeil und Bogen, doch damit kämpften sie nur so lange, bis ihr Vorrat an Pfeilen aufgebraucht und der Speer gegen den Feind geschleudert waren.

Andere Zeichen und Inschriften dienten offenbar als Zauber gegen den Feind oder als Anrufung an Götter. Die Schilde waren kreisrunde Scheiben aus Holz mit einem metallenen Buckel in der Mitte, in dem der Handgriff auf der Innenseite verankert war.

Holz scheint zwar ein schwaches Material für ein Waffenstück zu sein, doch mit diesem Schild konnte man durchaus Speere oder Pfeile ablenken und einen Schwertschlag oder Axthieb abhalten.

Standarten und Flaggen

Während Könige und Stammesfürsten persönliche Flaggen und Standarten hatten, hatte die Flagge, die den Wikingern in den Schlachten vorangetragen wurde, eine eigene Bedeutung für die Gefolgschaft. Sie zeigte einen Raben im Flug nach vorwärts.

Der Rabe konnte nur dann “fliegen”, wenn das Banner stetig vorwärts durch den Wind getragen wurde. Wenn die Angreifer zögerten oder vor dem Kampf zurückschreckten, sank der Rabe hinab und hing schlaff am Flaggenstock; dann kündigte er den Wikingern Unheil an.



Wikingerkunst

Die Kraft und Vitalität der Wikinger kam auch in ihrer Kunst zum Ausdruck. Die Wikingerkunst wirkt oft ruhelos; sehr häufig handelt es sich um wallende Massen von Ornamenten, die aus stilisierten Tierkörpern bestehen.

Wikingerkunst
© Klaudia Karpińska / hrafnphotography.wordpress.com

Verzerrte und verrenkte Tiere bildeten die Grundformen der skandinavischen Ornamentik seit dem 5. Jahrhundert und sie blieben es auch während der Wikingerzeit. Die Kunst der Wikinger wurzelte also in einer jahrhundertealten Tradition. Gleichzeitig war sie gegenüber neuen Einflüssen offen.

Sie besaß genug Selbstvertrauen, um sich durch Fremdes inspirieren zu lassen, sie übernahm neue Motive aus Westeuropa, adaptierte sie ohne sklavische Nachahmung, ihren eigenen Gewohnheiten entsprechend.

Dieser Prozess dauerte an, bis mit der Erschöpfung jener Kraft, die ein Kennzeichen der Wikingerzeit war, die einheimische Kunst dekadente Züge entwickelte.

Dann, als sich Skandinavien in die Gemeinschaft der christlichen Nationalstaaten einfügte, übernahm es die neue Romanische Kunst, die Europa eroberte.

Angewandte Kunst

Nur weniges im Skandinavien der Wikingerzeit können wir als reine Kunst bezeichnen. Die Wikingerkunst ist fast immer angewandte Kunst, Verzierung von Gebrauchsgegenständen.

Aber die Wikinger besaßen eine Vorliebe für Ornamente, daher bekamen ihre Holzschnitzer und Kunstschmiede jede Gelegenheit, ihr Können bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen und Schmuck zu beweisen, die Glanz und Farbe in den Alltag brachten.