Religion Der Wikinger | NORWIK

Hel die Königin des Todes und Odin

In der nordischen Mythologie ist Hel der Name sowohl für die Unterwelt selbst als auch für die schreckliche Göttin, die diese beherrscht, die Königin des Todes.

Hel die Königin des Todes
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In den Schöpfungsmythen wird noch eine weiter entfernte Unterwelt erwähnt, Niflhel oder Niflheim (Nebelhölle oder Nebelwelt) genannt, und dieses Gebiet des äußersten Nichts bestand schon vor der Erschaffung der Welt.

Es war der Nordteil von Ginnungagap, der großen Leere. In den Liedern der Edda gibt es Anzeichen dafür, dass es verschiedene Rang stufen der Unterwelt gab, unter denen Niflhel dichterisch die Endstufe bedeutete.

Die Quellen vermitteln kein eindeutig klares Bild von Hel. Es ist eine formlose Region von mächtigen Räumen und Hindernissen, eine Unendlichkeit von Dunkelheit und Kälte. Die Straße zu Hei, der Hei-Weg, führt niederwärts und nordwärts. Für den Toten ist es eine lange und gefährliche Reise über Gebirge, durch Wälder und tiefe, dunkle Täler.

Die Mündung des Totenweges scheint eine dunkle Höhle gewesen zu sein, bewacht von Garm, einem furchterregenden Hund mit blutbeschmierter Brust. Nahe beim Ende des Totenweges fließt der Grenzfluss Gjöll (Geheul), über den die Gjöll-Brücke führte.

Die Brücke war gedeckt mit glühendem Gold und bewacht durch geheimnisvolle Mädchen. Etwas weiter befand sich das Tor der Unterwelt, Hels-Tor, und dahinter lag die Halle des Todes, wo Hei selbst herrschte.

Nachkommen von Loki und der Riesin Angrboda

Wenn auch das Gebiet von Hei in den Quellen nicht sehr klar geschildert wird, so hat uns Snorri Sturluson (Edda) von Hei selbst ein sehr deutliches Porträt hinterlassen. Hei war, zusammen mit dem Wolf Fenrir und der Weltschlange, eine der monströsen Nachkommen von Loki und der Riesin Angrboda.

Nach Snorri sah Hei aus wie ein verwesender Leichnam, halb schwarz, halb noch fleischfarbig: „In Niflheim hat Hei einen mächtigen Palast mit riesenhohen Mauern und großen Toren. Ihr Palast heißt Eisregen, ihre Schüssel heißt Hunger, ihr Messer Hungersnot, ihr Diener wird Greisenhaftigkeit gerufen, ihre Dienerin die kindisch Werdende, ihr Eingang heißt Wolfsfalle, ihre Spindel Bettlägerigkeit, ihre Bettvorhänge jammervolle Schwäche.“

In der Blütezeit des Odin-Kults wurde ein Unterschied gemacht zwischen dem ehrenwerten Tod, den Krieger, die als Odins Gäste nach Walhall kamen, auf dem Schlachtfeld erlitten, und dem unehrenhaften Tod der im Bett Gestorbenen, die zu Hei geschickt wurden.

Am Ragnarök-Tag würden Odins Helden Seite an Seite mit den Göttern kämpfen, die Toten von Hei jedoch gegen sie. Es gibt auch eine Anspielung darauf, dass Hei einen besonderen Platz zur Bestrafung der Bösen enthält, besonders für solche Männer, die zwei für den nordischen Ehrenkodex besonders abstoßende Sünden begangen hatten, Flucht und Mord.

Das Leben nach dem Tod der Nordmänner

Man hat vielfach angenommen, dieser Fegefeueraspekt in Hei zeige den Einfluss des Christentums auf das Denken der Wikinger, und das mag richtig sein. Die ursprüngliche Vorstellung von Hei scheint eng zusammenzuhängen mit der etymologischen Bedeutung des Wortes als ,Platz der Geheimhaltung‘ mit anderen Worten: mit dem Grab.

Es gab keine Übereinstimmung über die Art, wie die Nordmänner Tod, Grab und ein Leben nach dem Tod ansahen. Im Allgemeinen glaubte man, dass das Leben nach dem Tod in einer ähnlichen Form weiterginge und dass zwischen Lebenden und Toten ein dauernder Kontakt bestehe. Doch die Weise dieses Lebens nach dem Tod wurde sehr verschieden beschrieben.

Vereinfacht kann man die verschiedenen Ansichten unter zwei Hauptgesichtspunkten sehen, die Vorstellung, dass der Tote im Grab selbst weiterlebe, und die Vorstellung, dass der Tote vom Grab auf eine Reise gehe.

Die Mythologie von Asgard

Die zweite Vorstellung findet sich vor allem in der Mythologie von Asgard und wird symbolisiert durch den Besuch des Helden Hermod bei Hei, wo er versucht, Baidur zurückzuholen, und durch die Reise, die Odin selbst machte, um Kenntnis von der Zukunft zu erlangen. Obwohl er einen übernatürlichen fliegenden Hengst wie Sleipnir ritt, dauerte die Reise neun Tage und Nächte.

Für die Toten dauerte die Fahrt sehr viel länger, außer wenn sie das Glück hatten, durch die Walküren zur Fahrt nach Walhall gewählt zu werden, als Mitglied von Odins Heldenschar.

Die Toten wurden in ihre Grabhügel gebettet mit reichen Vorräten an Nahrungsmitteln und Ausrüstung, Rüstungen, persönlichem Besitz, Schmuck, Schätzen und sogar Ackerbaugeräten. Dieser Brauch sollte den Toten sowohl auf ihrer Reise zur anderen Welt helfen als auch ihnen dort ein gleiches Ansehen vermitteln.

Durch die Zurschaustellung großer Reichtümer beim Begräbnis wollte man aber zweifellos auch bei den lebenden Nachbarn Eindruck erwecken. Ähnlich liegt in dem Brauch, ein oder mehrere Pferde und auch Hunde mit dem Toten zu verbrennen, eine doppelte Absicht. Sie symbolisieren sowohl ein Geschenk oder Opfer an die Götter, wie sie auch Transportmittel und Begleiter auf dem Weg zu Hei darstellen.



Wikinger Götter

Nach dem Glauben der Wikinger wurde die Welt von Göttern beherrscht, die in dem himmlischen „Asgard” lebten. Ihr größter Gott war Odin. Weise, scharfsinnig und gefährlich flößte er jedermann Furcht ein.

Wikinger Götter
© Klaudia Karpińska / hrafnphotography.wordpress.com

Man bekam ihn nur in Schlachten und zu Zeiten der Gefahr und Not zu Gesicht. Er galt als König der Götter, und nur diejenigen, die übernatürliche Kräfte zu besitzen glaubten, wagten ihn anzubeten.

Thor (oder Donar) war ein ganz anderer Gott. Er besaß einen gewaltigen Steinhammer, den „Mjollnir”. Er war der Gott des Windes, des Regens und der Landwirtschaft. Wenn er in seinem großen, von Ziegen gezogenen Wagen über den Himmel fuhr, gab es Blitz und Donner.

Trotz seiner gewaltigen Kräfte und seiner Launenhaftigkeit war Thor ein gutmütiger, fast einfältiger Gott. Der Thors-Tag, der „Donarstag”, war die Zeit für Versammlungen und große Feste.

Freya war die Göttin der Ehe und des Wachstums. Wenn die Wikinger ihre Felder bestellten, verstreuten sie Brot und schütteten Bier oder Wein auf den Boden. Sie hofften, Freya damit zu erfreuen, damit sie ihre Saaten groß und kräftig werden ließe.

Die Wikinger besaßen weder Kirchen noch Tempel. Sie verehrten ihre Götter im Freien, wo ihrer Meinung nach keine Gefahr von bösen Geistern drohte.



Walhalla

Nach den religiösen Anschauungen der Wikinger bedeutete der Tod auf dem Schlachtfeld nicht das Ende. Wenn ein Krieger in Ehren fiel, wurde er von den Walküren, den Dienerinnen Odins, auf fliegenden Pferden nach Walhalla getragen. Dieser Wikingerhimmel war den Helden vorbehalten.

Walhalla
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Hier lebten sie für immer bei festlichen Gelagen in Gemeinschaft mit ihren Kriegsgenossen. Dieser Himmel war so begehrt, dass ein Wikinger, der auf dem Krankenbett zu sterben drohte, seine Verwandten bat, ihn zu erstechen, damit Odin denken möge, er wäre auf dem Schlachtfeld gefallen, und ihn in Walhalla aufnähme.

Totenfeiern

Der Glaube an Walhalla führte zu den besonderen Formen der Totenfeiern bei den Wikingern.

Ein Wikingerfürst, der ein angesehener Krieger gewesen war, wurde in seinem Schiff begraben, umgeben von seinen Waffen, seinem persönlichen Besitz, seinem Pferd und manchmal sogar mit seinem treuen Diener, der zu sterben bereit war, um seinen Herrn nach Walhalla zu begleiten.

Schiffsbestattungen

Das Schiff wurde manchmal verbrannt und der Tote eingeäschert. Aber oft wurde es auch unter einem Erdhügel begraben und blieb dort durch Jahrhunderte erhalten.

Dank dieser Sitte konnten mehrere Wikingerschiffe in moderner Zeit ausgegraben werden, etwa tausend Jahre nach ihrem Bau. Zwei davon sind besonders berühmt: Das Gokstad-Schiff und das Ose-berg-Schiff, so genannt nach den Orten in Norwegen, wo man sie gefunden hat.