Wikingersiedlung Jarlshof

Wikingersiedlung Jarlshof
© Seelenvoll-Fotografie by Steph Anie

Das bis heute deutlichste Bild eines von den ersten Wikingersiedlern errichteten Gehöfts finden wir auf der mehrere Zeitstufen umfassenden Ausgrabungsstätte Jarlshof an der Südspitze Shetlands. Die Siedlung liegt in einer geschützten Bucht hinter den Klippen von Kap Sumburgh.

Als die Wikinger dort hinkamen und den Ort übernahmen, lebten dort schon seit Jahrhunderten Menschen. Der Name – er bedeutet „Herzogspalast” – ist romantischer Unsinn, den Sir Walter Scott in seinem Roman „Der Pirat” für die Ruinen aus späterer Zeit erfand, die immer noch die Stätte beherrschen.

Das erste norwegische Wohngebäude war ein Haus mit bogenförmigen Längswänden aus Trockenmauerwerk und Torf, nur der Ostgiebel war aus Holz. Aufgeteilt war das Haus in zwei Räume: einen großen Wohnraum (Halle) und eine Küche oder Speisekammer.

In der Mitte der Halle gab es die typische lange Feuerstelle mit Erdbänken zum Sitzen und Schlafen zu beiden Seiten. An Nebengebäuden waren ein Viehstall, eine Scheune und eine kleine Schmiede vorhanden sowie ein weiteres Gebäude, das vermutlich als Badehaus oder Sauna diente.

Die Siedler von Jarlshof

Die Siedler von Jarlshof waren hauptsächlich Bauern, aber mit der Zeit wurde die Fischerei immer wichtiger für sie, vermutlich um die wachsende Bevölkerung ernähren zu können. Die kleine Gemeinde wuchs und gedieh 400 Jahre lang, wenn notwendig, erweiterte man das ursprüngliche Gehöft immer wieder um neue Gebäude.

Baumaterial lieferten die kleinen steinernen Rundhütten und konischen Türme der eingeborenen piktischen Bevölkerung (die offenbar schnell von der Bildfläche verschwand). Die Kolonisten richteten sich nach heimischen Gewohnheiten ein und bauten eine anspruchsvolle Hofanlage. Die Wege zwischen den Häusern waren gepflastert, ebenso die Ackerwege.

Die nordischen Siedler, die hier zu Beginn des 9. Jahrhunderts an Land gingen, wurden von einer windgeschützten, fischreichen Bucht angezogen, deren flacher Sandstrand in ertragreiche Weiden und Äcker überging.

Anbauprogramm

Die Fruchtfolge bestimmte der Wechsel von Wintersaat, Frühlingssaat und Brache, die traditionelle Dreifelderwirtschaft also, die wahrscheinlich schon in karolingischer Zeit auch im europäischen Norden Eingang fand.

Das Anbauprogramm verraten die meist verkohlten Reste oder Tonabdrücke, die bei Grabungen gefunden werden. Danach bildete der genügsame, kältegewohnte Roggen die Grundlage der Ernährung. Hafer wurde vor allem als hochwertiges Pferdefutter, die Gerste als gärfreudiger Grundstoff der häuslichen Metbereitung angebaut.

Infrastruktur

Anlagen, deren „Infrastruktur” ein planvolles, fast möchte man sagen: betriebswirtschaftliches Denken verriet und keinen Zweifel daran ließ, dass diese wikingischen Siedler tüchtige Bauern waren, die sich – nüchtern und hart arbeitend – auch unter widrigen Bedingungen zu behaupten wussten.

Wenig bis keine Waffenfunde

Als ein Argument für die These von den friedlichen Wikingersiedlern wird die Tatsache angeführt, dass man auf solchen Ausgrabungsstätten keine Waffen fand.

Aber Waffen sind Wertgegenstände, die nicht in Müllgruben landen, neben dem Haus verloren gehen oder in verlassenen Gebäuden liegengelassen werden. Sie behandelt man mit Sorgfalt, wie Ausgrabungen bewiesen haben. Dabei hat man erstmals ein Gehöft aus dem 9. Jahrhundert zusammen mit dem dazugehörigen Familiengrab gefunden, das Waffen enthielt.

Wikingersiedlung Jarlshof 4.43/5 7

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