Die Pferde der Wikinger

Das was wir heute als das „typische Wikinger Pferd“ kennen oder bezeichnen ist das Islandpferd. Bei der Landnahme brachten die Wikinger eigene Pferde (Ponys) mit, was mit einer Knorr „ohne Probleme“ umsetzbar war. Meist waren es die norwegischen Fjordpferde und keltische Ponys. Durch die späteren und zahlreichen Kreuzungen dieser Rassen oder Züchtungen ist von dem ursprünglichen Charakter dieser beiden Arten jedoch kaum etwas übriggeblieben.

Wikinger Pferde Island

Der Name „Fjordpferd“ ist leicht verwirrend wobei sich in der Bezeichnung schon die eigentliche Herkunft „versteckt“. Der westliche Teil von Norwegen, auch als „Vestland“ bekannt, die für Skandinavien typischen Fjorde. Wie und wann diese beiden Rassen zum ersten Mal gemischt wurden ist bis heute nicht eindeutig geklärt (später mehr dazu). Es gibt aber eine unübersehbare Ähnlichkeit mit den Przewalski Pferden (Mongolei) und den Sorraia-Pferden (Portugal), welche die letzten „noch lebenden“ und echten Wildpferderassen sind.


Das Islandpferd, Isländer oder Fjordpferd

Das Islandpferd ist eine äußerst robuste Pferderasse mit einem kräftigen Körperbau. Heute werden nur reingezogene Pferde ohne Fremdbluteinkreuzung, und deren Abstammung sich lückenlos bis nach Island zurückzuverfolgen läßt als Isländer oder Islandpferd bezeichnet.

Auch ist die Ausfuhr heute verboten bzw. dürfen Islandpferde nach einer Ausfuhr nicht mehr in Island eigeführt werden, dies dient dem Schutz der Tiere (Krankheiten, Kreuzungen).

Die Züchtung dieser Rasse (Isländer) macht aus damaliger Sicht durchaus Sinn, denn die Wikinger raubten und plünderten nicht nur (wie man uns heute erklärt), sondern betrieben Handel und auch Ackerbau. Zu diesem Zweck brauchte man starke, Trittsichere Pferde mit hoher Belastbarkeit, Tragfähigkeit.

Es ist also davon auszugehen oder mit Bestimmtheit zu sagen das, das heutige Islandpferd (Isländer) eine Kreuzung aus dem Norweger bzw. Fjordpferd und dem keltischen Pony ist und bis heute weitestgehend unberührt blieb, ursprüngliche Charaktermerkmale besitzt.

Die Keltischen nativen Ponys, Connemara

Nach Marcus Junkelmann bzw. seinem Buch „Die Reiter Roms“ ähnelte das Keltische Pony, dem einzigen auf Irland nativen und urzeitlichen Connemara Pony. Wie der Name schon sagt stammt dieses Pony aus Connemara (Atlantikküste, Westirland).

Eine hügelige, steinige, karge und doch von einzigartiger Schönheit geprägte Landschaft. Zu Caesars Zeit (Rom) wurde Irland, England und Schottland auch von keltischen Stämmen bewohnt.

Ab dem 14. Und 15. Jahrhundert begann die Kreuzung mit spanischen Pferden. In späterer Zeit wurden dann alle möglichen Rassen eingekreuzt wie zum Beispiel Araber, Hackneys, Berber und viele andere Rassen.

Ab 1940 erfolgte dann eine komplette Umzüchtung dieser Rasse. Es sollte „schöner und größer werden“ (um nicht zu sagen; dem menschlichen Auge genüge tragen).

Die Charaktermerkmale der keltischen Ponys werden als schlau, gutmütig, von großer Ausdauer, ruhig oder ausgeglichen beschrieben sowie mit einem kräftigen Körperbau.


Codex Leidensis Perizonianus Tacitus GermaniaTacitus Germania und die Beschreibung der germanischen Pferde

Der römische Historiker Tacitus beschrieb in seiner ethnographischen Schrift Germania die „germanischen Pferde“ als unelegant und von wenig Schönheit, schlecht abgerichtet und langsam.

(Anmerkung: éthnos = fremdes Volk, nicht ganz passend, denn die Germanen oder Kelten, später die Wikinger etc. waren zu keiner Zeit „ein Volk“ bzw. kein „Volk“ in dem Sinne, das uns heute als Begrifflichkeit „Volk“ vermittelt oder Ge-Lehrt wird. Dennoch hatten alle den „gleichen germanischen“ Ursprung. Wobei man die Bezeichnung „Germanen“, heute ebenfalls „neu“ definieren müßte).

Wahrscheinlich „wußte Tacitus nicht“ um die Herkunft, Charaktermerkmale bzw. das Aussehen der echten Wildpferde?! Oder doch? Und zudem ist diese Aussage auch deswegen befremdlich, weil die „germanischen Reiter“ als Hilfstruppen in Rom hoch geehrt waren.

Zudem sei hier noch angemerkt das Rom nie eine wirkliche bzw. eigene „Armee“ besaß, sondern sich immer fremder Kulturen oder der sogenannten „fremd Völker“ bediente. Entweder durch Unterjochung oder Bezahlung… ein schlechter Ratgeber um ein „Imperium“ aufrecht zu erhalten.


Das Althing, die Entscheidung der Wikinger keine weiteren Pferde mehr nach Island zu überführen

Schon im 10. Jahrhundert beschlossen die Wikinger bei einem Althing keine weiteren Pferde mehr nach Island zu überführen. Das Weideland auf Island ist sehr begrenzt, heute so wie auch zu damaliger Zeit. Auch diente diese Entscheidung damals schon dem Schutz der Tiere vor Seuchen oder Krankheit.

Verschiedene Sagas berichten davon, wie die uns heute bekannten Islandpferde von den Wikinger „wild gehalten“ wurden (natürliche Haltung). Fohlen wurden auf natürliche Weise geboren ohne den Eingriff der Menschen bzw. Wikinger.

Diese natürliche Art der Haltung gibt den Islandpferden ihre einzigartigen Charaktermerkmale und Instinkte, welche für Island unentbehrlich sind wie zum Beispiel einen ausgezeichneten Ortssinn der es den Isländer ermöglicht immer wieder den Weg zur Herde oder nach „Hause“ zu finden.

Auch die Gangart macht die Isländer oder Islandpferde zu etwas Besonderen. Denn im Gegensatz zu anderen Rassen besitzt das Islandpferd neben den typischen Schritt, Trab oder Galopp, auch den Tölt und Pass (fünf Gänge), wobei dabei immer ein Bein auf dem Boden bleibt oder diesen berührt.

Diese Gangart ermöglicht es dem Reiter und Pferd, auch in unwegsames Gelände eine gutes voranakommen, und dem Pferd einen guten Tritt. So ließen sich auch lange Strecken oder Reisewege ohne viel Mühe überwinden, denn die Gehöfte der Wikinger lagen nicht selten einen Tagelangen Ritt voneinander entfernt.

Die Wissenschaft, „Wissen-Schaffenden“ und der Tölt, Pass nach heutiger Sicht

Pass und Tölt sind nach heutiger wissenschaftlicher Meinung, oder Meinung der Menschen die unser heutiges „Wissen-Schaffen“ eine Gen Mutation welche unter anderem den „plündernden Wikinger“ zugeschrieben wird. Dazu mag sich jeder eine eigene Meinung bilden oder Wissen aneignen.

Selbst wenn dem so ist, dass unter anderem die Wikinger durch die Kreuzung des Fjordpferdes und dem keltischen Pony den Tölt und Pass „hervorbrachten“, so geschah dies mit Sicherheit nicht aus einem bösen Willen heraus (wie schon genannt, Ackerbau).

Auch paßten sich die Tiere mit jeder neuen Generation der Umgebung Islands bzw. Natur an. Zudem wäre ohne diese damalige Kreuzung keines von diesen Wildpferden oder ein Teil ihrer Charaktermerkmale erhalten geblieben bzw. das, was wir heute in dem Islandpferd noch finden (wie eingangs schon geschrieben, durch die in späterer Zeit immer wieder durchgeführten massiven Einkreuzungen).


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monika
Gast

Wow ein wirklich spannender und gut recherchierter Bericht und ein Stück weit kann ich das beurteilen, da ich mich schon Jahre mit Ur-Rassen beschäftige und mich für den Schutz aussterbender Wildpferde aktiv einsetze (Sorraia und spanisch Mustang-Pferde). Ich habe sogar noch etwas dazu gelernt, denn die Pferde der Wikinger, bzw. das Keltische Pony war mir so noch nicht bekannt. Darum danke für diesen tollen Beitrag!
GlG monika

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