Wikinger Namen: Die Namensgebung

Die Namensgebung in der Wikingerzeit. Wikinger Namen oder Rufnamen. Wo nach erhielt ein neugeborenes nach der Niederkunft seinen Namen?

Die Wikinger so wie auch viele andere Kulturen jener Zeit glaubten das der Rufname oder Name eng in Verbindung steht mit dem Lebensweg den ein Mensch geht bzw. seinem Erfolg, Glück, sein Wesen etc. prägt. Auch war es nicht selten das Namen von einzelnen Sippen-Mitglieder oder Verwandte, Freunde auf die Nachkommen übertragen wurde.

Wikinger Namen, Namensgebung

Wikinger Namen wurden also nicht nach „Lust und Laune“ vergeben, sondern hatten einen tiefen Bezug zu dem einzelnen Menschen. Man glaubte das der Name, Rufname den man einem Kind oder Baby gab auf das „Sein“ oder den Menschen direkt übertragbar ist. Seinen Lebensweg oder das „was er selbst ist oder wird“ beeinflusst. Soll heißen, die Namensgebung hatte für die Wikinger und andere Kulturen eine tiefe Bedeutung.


Vor der Namensgebung, leben oder nicht leben: Zum Wohle der Sippe.

Ob ein neugeborenes lebt oder nicht lebt (sanft in die „andere Welt“ zurückgeführt wurde) oder ausgesetzt wurde, wurde vom Vater entschieden. Das mag sich nach einer „patriarchalischen“ Gesellschaftsform anhören, dem ist aber nicht so.

Der Vater entschied das im Sinne der Sippe, Gemeinschaft. Missbildungen bei der Niederkunft gab es damals sowie auch heute. Ebenso spielte die Nahrung eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung. Gab es Hunger? Hatte die Sippe ausreichend Nahrung? Auch Krieg oder Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen spielte dabei eine große Rolle bei den Wikinger, wie auch bei vielen anderen Kulturen.

Das neugeborene wurde zu Füssen des Vaters gelegt, nahm er es hoch so bedeutete dies, dass er das Kind annahm. Geschah das nicht bzw. ließ der Vater das neugeborene liegen so bedeutete dies, dass er das Kind nicht annimmt. Nahm er das neugeborene an so wurde sein Kopf mit Wasser beträufelt (altnordisch / deypa / Reinigen / „Taufen“) und ihm wurde seinen Namen, Rufnamen gegeben.

Diese „Taufe“ oder das „Reinigen“ hat nichts mit dem Christentum gemeinsam, sondern war ein rein heidnischer Brauch. Das Wort „Heide“ und die heidnischen Bräuche wurden erst unter dem Christentum zu etwas negativen stigmatisiert. „Heid“ bedeutet im weitesten Sinn „die göttliche Kraft verehren“. Es lohnt sich dieses Thema etwas näher zu recherchieren und die Zusammenhänge zu verstehen oder sie zumindest zu betrachten.

Wurden Krieger innerhalb der Wikinger-Sippe / Stamm benötigt so wurde für eine ausreichende Anzahl an weiblichen Nachkommen gesorgt so das die Zeugungsfähigkeit zwischen Mann und Weib gewahrt wurde aber den männlichen Nachkommen „Vorzug gewährt“. Dies geschah ebenfalls im Sinne der Gemeinschaft oder der Sippe, denn nur so konnten die Wikinger den Nachwuchs an Krieger und somit den Schutz der Gemeinschaft sichern.


Die Christianisierung, Zwangschristianisierung

Leider wissen wir heute sehr wenig über die „soziale Stellung der Frauen“ in der Wikingerzeit. Zum einem liegt es daran das es kaum schriftliche Überlieferungen aus der Wikingerzeit gibt (gewollt oder ungewollt) und ein anderer Aspekt ist die Zwangschristianisierung.

Geschichtsschreiber wie zum Beispiel Mönche, löschten, fälschten, dichteten und schrieben die Geschichte im Sinne der Kirche um. Rom regiert noch heute?! Dazu mag sich jeder selbst eine „Meinung „bilden“, Wissen aneignen.

Liest man den Text aus heutiger Sicht so wird man das Handeln in der damaligen Zeit als grausam betrachten. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen das mit dem Einzug des Christentums und Zwangschristianisierung unsere Betrachtungsweise, unser Wissen, Handeln, Denken komplett auf den Kopf gestellt wurde.

Ist es nicht verwunderlich das, dass prächtigste Wikinger Schiffsgrab was wir heute kennen einer Frau gewidmet ist? Gemeint ist hier das Oseberg Schiff bzw. Grab zwischen Tønsberg und Horten in Norwegen. Das läßt uns erahnen welche Stellung die Frauen in der Wikingerzeit hatten.

Gewiss waren nicht alle Frauen Fürstin oder Stammesoberhäupter aber es zeigt uns, oder gibt uns einen kleinen Einblick, dass diese Zeit keine rein „patriarchalische“ Gesellschaft war wie sie später unter dem Christentum entstanden ist bzw. nach der Zwangschristianisierung der Wikinger.

Mit Sicherheit nutzten einige oder viele Wikinger das Christentum auch als Vorzug um besseren Handel treiben zu können wodurch sie aber ihre Wurzeln, Bräuche, Glaube, Sitten, Wissen oder den sogenannten „Heidenspaß“ verloren. Trotzdem blieb ihr Erbe erhalten. Wir finden es in den Wochentagen, Städtenamen, Orte, Familiennamen und vieles mehr.


Beispiele für Wikinger Namen bzw. die Namensgebung

01.) Der Familienname eines neugeborenen bestand aus der Erweiterung „son“ für den männlichen und „dóttir“ für den weiblichen Nachwuchs.

02.) Desweiteren wurde, abhängig von der Endung des Rufnamen des Vaters, der letzte Buchstabe ersetzt.


Rufname-EndungÄnderungBeispiel Rufnamemännlich = sonweiblich = dóttir
auGnupaGnupusonGnupudóttir
iaHraniHranasonHranadóttir
irisOlvirOlvissonOlvisdóttir
lllsThorhallThorhalssonThorhalsdóttir
nnnsArnfinnArnfinssonArnfinsdóttir
rsGrimarGrimassonGrimasdóttir
rrrsGeirrGeirssonGeirssdóttir

Ein Beispiel für die Namensgebung bzw. den Familiennamen. Bei dem Rufnamen Grimar wird der letzte Buchstabe, das „r“, durch ein „s“ ersetzt. Siehe die Tabelle oben:

Hatte der Vater den Rufnamen Grimar, und der Sohn erhielt nach der Niederkunft den Rufnamen Alrik, so lautete Alrik sein Familienname Grimasson. Alrik, der Sohn von Grimar.

Bei einer Tochter hingegen, die nach ihrer Niederkunft den Rufnamen Asa erhielt, lautete der Familienname Grimasdóttir. Asa, Tochter von Grimar.

Anmerkung: Trugen zwei Menschen die gleichen Namen so wurden sie durch den Namen des Großvaters väterlicherseits unterschieden (Mittelnamen).


Wikinger Beinamen

Zu den Wikinger Namen gab es auch „Beinamen“. Eines der wohl bekanntesten Beispiele dafür ist „Erik der Rote“ Thorvaldsson, so genannt aufgrund seines Haupt und Barthaares (Eiríks saga rauða / Eriks-Saga / Island-Sagas / Vinland-Sagas). Hierbei verdeutlicht sich das Prinzip der Wikinger Namen sehr gut. „Erik der Rote“ Thorvaldsson, sein Sohn wurde bekannt unter dem Namen „Leif Eriksson“ (Sohn von Erik).


Männliche und weibliche Wikinger Namen

Hier findest Du eine Sammlung an Wikinger Namen. Viele Namen aus den Sagas sowohl männliche als auch weibliche. Die männlichen Namen überwiegen, das könnte man darauf zurückführen das die Sagas überwiegend von Männer geschrieben wurden. Doch waren es die Frauen, die das Heim, den Hof und die Kinder schützen, wenn die Wikinger Männer auf See waren.

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