Wikingermythos

Wikingermythos
© Klaudia Karpińska / hrafnphotography.wordpress.com

Der heutige Wikingermythos sieht die Wikinger in erster Linie als Männer, sei es als Krieger, als Seefahrer oder als Siedler. Das uns geläufige „heldische Lebensgefühl” der Wikingerzeit legt eine an Machismo grenzende Verehrung von üblicherweise als männlich apostrophierten Eigenschaften nahe. Auch die solidesten wissenschaftlichen Darstellungen können sich dieser Versuchung nicht entziehen.

Auf den Schiffen jener beutegierigen Wikinger, die zu ihren ersten Überfällen nach Friesland oder England aufbrachen, befanden sich wohl tatsächlich ausschließlich Männer, und von Frauen auf Wikingerzügen hören wir indirekt erst Mitte des 9. Jahrhunderts, als die ersten Skandinavier in Frankreich zu überwintern beginnen.

Plünder- Handelsfahrten

Aber auch wenn sich das Gros der Kämpfer aus jüngeren Söhnen kinderreicher Familien zusammengesetzt haben mag, wie uns die Begründungen einiger zeitgenössischer Quellen glauben machen wollen. So ist als Resultat der Plünderfahrten ebenso wie auch der Handelsfahrten in den Osten zahlreicher männlicher Skandinavier eine noch größere Zahl von Frauen und Müttern zu sehen, die während der monatelangen Abwesenheit ihrer Männer die Wirtschaft von Höfen jeder Größenordnung zu übernehmen hatten.

Dazu kam, dass die zahlreichen auf Heerzügen gefallenen Männer zweifellos auch Witwen in schwierigen sozialen Verhältnissen zurückließen. Selbst eine zahlreiche Nachkommenschaft, wie sie die verschiedentlich für das wikingerzeitliche Skandinavien postulierte Mehrehe förderte, war angesichts der hohen Kindersterblichkeit keine Garantie für die soziale Absicherung gerade der Frauen.

Weitere spannende Beiträge

Wikingermythos
4.4 12