Wikingersiedlung an der Peene

Wikingersiedlung an der Peene
© Seelenvoll-Fotografie by Steph Anie

Jahrhundertealt sind die Bemühungen der Archäologen, um bei ihren Ausgrabungen einen schlüssigen Beweis dafür zu finden, dass auf dem heutigen Territorium von Mecklenburg-Vorpommern eine dauerhafte und größere Siedlung der Wikinger bestand.

Die Halbinsel Wittow auf der Insel Rügen, die sich mit der einstigen Tempelfeste Arkona und dem Kampf der Ranen gegen die Wikinger förmlich dazu anbot, erbrachte nicht den erwarteten Erfolg.

Alten Hinweisen nachgehend, wurden in Menzlin, einem Ort in der Peeneniederung bei Anklam, von 1965 bis 1969 Grabungen durchgeführt. Auf einem sandigen, bewaldeten Höhenzug fanden sich Spuren eines frühalterlichen Siedlungsplatzes, die auf die gleichzeitige Anwesenheit von Slawen und Wikingern an diesem Ort hindeuteten.

Danach bestand hier vom 8. bis zum 10. Jahrhundert eine gemeinsame Siedlung. Als Krieger und zugleich geschickte Händler bildeten die Wikinger die soziale Oberschicht, während die im Handwerk und Ackerbau tätigen Slawen dafür die wirtschaftliche Grundlage schufen.

Die Ethnisch gemischte Siedlung Menzlin

Die ethnisch gemischte Siedlung Menzlin fand ein jähes, noch heute ungeklärtes Ende. Möglicherweise waren es die auf den Odermseln ansässigen Jomwikinger, die bei einem ihrer Piratenzüge auch Menzlin zerstörten. Die einheimischen Männer wurden getötet, worauf die durch die Archäologen rechnerisch ermittelten 850 Gräber das Indiz sein könnte.

Die Wikingerfrauen hingegen müssen überlebt haben. Sie verbanden sich offenbar mit den Männern aus der slawischen Nachbarschaft. Die einheimischen Mannen, die die Sitten ihrer nordischen Frauen annahmen, bauten die zerstörte Siedlung wieder auf und erweckten sie zum kurzzeitigen Leben. Nur so lassen sich die Bestattungen der Wikingerfrauen gemäß ihrer nordischen Riten in Steinschiffen, aber in slawischen Urnen, erklären.

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