Wikingerzeit, die Wikinger und ihre Geschichte

Wikinger
© Klaudia Karpińska / hrafnphotography.wordpress.com

Was waren die Wikinger für Menschen? Worin bestand das „Eigentümliche“ ihrer Lebensweise, ihrer Art zu kämpfen und ihrer Entdeckungs-, Handels- und Eroberungsfahrten?

Sie nehmen in der Geschichte einen besonderen Platz ein, weil sie Charakterzüge aufwiesen, die in der frühen mittelalterlichen Welt ungewöhnlich waren, und Verhaltensweisen zeigten, die ihrer Natur und ihrem Willen zum Überleben entsprangen.

Unter diesen Eigenschaften waren Kühnheit und Treue, Gewandtheit im Gebrauch von Waffen, persönliche Tapferkeit und die Bereitschaft, große Wagnisse einzugehen und dafür auch das Leben einzusetzen.

Nicht nur die Verteidigung ihrer Höfe und Besitztümer, sondern auch ihr Erfolg auf Beutezügen hingen ab von ihrer Kampfbereitschaft.

Das allgemeine Bild, was wir heute von den Wikinger oder der Wikingerzeit (Geschichte) haben, ist eines von marodierenden Wölfen. Sie terrorisierten friedliche Menschen, insbesondere Kirchenmänner. Ihre Ankunft war unerwartet, plötzlich und unwillkommen. Vieles von dem gehört jedoch in das Reich der Mythen, denn die Geschichte der Nordmänner (Wikingerzeit) und der nordischen Mythologie ist weitaus komplexer als man uns heute vermitteln möchte oder will. In nur wenigen Jahren wurden sie innerhalb der Christlichen Welt bekannt und gefürchtet. Namen wie Nordmänner, Dänen, Nordländer, Skandinavia oder Norweger wurden zu das Synonym Pirat.


Das Zeitalter der Wikinger

Das Wikinger Zeitalter wird als gewalttätiger Ort beschrieben und Antichristlichen Heidentum. Hierbei gilt es zu verstehen das „Heidentum“ oder das Wort „Heide“ bzw. „Heid“ (die Verehrung des göttlichen) erst durch das Christentum oder die Zwangschristianisierung zu etwas schlechtem degradiert wurde und Missverständnisse auslöst die meist aus Nichtwissen resultieren.

Auch, was uns heute als „grausam“ vermittelt wird, ist Teil unserer christlich geprägten Sicht- oder Denkweise bzw. die durch die Kirche geprägte Geschichtsschreibung oder der in ihrem Interesse geschriebenen Geschichte [Erdichtungen].

Wo auch immer die Wikingerschiffe bzw. Langschiffe gesichtet wurden, bezeichnete man diese als Freibeuter oder Piraten, einen Sturm aus dem Norden. Erst waren es nur kleine Gruppen die „plünderten“, später dann mit großen Flotten und „Armeen“…

… Das ist das allgemeine Bild was man uns in der heutigen Zeit „gerne“ vermittelt ohne die geschichtlichen Hintergründe oder die Wikingerzeit näher zu betrachten.

Es waren nicht nur „räubernde und plündernde Barbaren“, sie hatten bedeutende Leistungen aufzuweisen. Sie waren bekannte Kaufleute. Auf ihren Reisewegen gründeten sie neue Städte und erweiterten bereits bestehende, so zum Beispiel Kiew in der Ukraine bzw. „Rußland“ und Dublin in Irland. Sie brachten Felle, aber auch Sklaven (was für die damalige Zeit „normal“ gewesen ist) nach Konstantinopel und Bagdad und kehrten mit Seide, Gewürzen und Wein in ihre Heimat zurück.

Die Wikinger, wie auch andere Kulturen jener Zeit hatten ein großes Wissen im Bezug auf Heilung, Heilkräuter (in späterer Zeit blutig unterdrückt durch die Kirche). In den Wochentagen bzw. deren Namen, Ortsbezeichnungen, Bräuchen und auch Familiennamen finden wir das Erbe der Wikinger.


Herkunft der Wikinger, Vikingr

Herkunft der Wikinger, Vikingr
© Del-Ink / Fotografie

Das Wort oder die Bezeichnung Wikinger leitet sich vermutlich von dem altnordischen Substantiv bzw. Wort „Vikingr“ ab und bedeutet im weitesten Sinn „Seefahrer“, „Seekrieger“ oder beschreibt Menschen (Gemeinschaft von Menschen) die sich weit von der Heimat entfernt auf Seefahrt befinden.

Wo liegt also die Herkunft der Wikinger oder Vikingr? Eine genaue Antwort auf diese Frage gibt es nicht, denn die Wikinger waren nie ein „Volk“ als Ganzes, beziehungsweise kein „Volk“ in Bezug darauf, wie wir heute die Begrifflichkeit „Volk“ definieren oder uns Ge-Lehrt wird.

Im ursprünglichen Sinn bedeutet das Wort „Volk“ den Zusammenschluß oder einen Bund von Menschen (der Mensch folgt oder man folgt sich gegenseitig in einem Bund mit dem gleichen Recht bzw. natürliches Recht, eine Gemeinschaft mit ähnlichen kulturellen Wurzeln und dem gleichen Ziel).

Das Thema „Völkerwanderung“ gibt dazu mehr Aufschluß. Richtig wäre also die Bezeichnung „Volks“stamm oder „Volks“stämme“ für die Wikinger. Dreht man die Zeit ein wenig weiter zurück (vor der Wikingerzeit), so finden wir den Ursprung oder die „Wurzeln“ im urgermanischen (ähnlich wie bei den Kelten). Fragt man geographisch nach der Herkunft der Wikinger, so findet man die Antwort im skandinavischen Raum.

Folgt man der Wissenschaft oder den „Wissen-Schaffenden“ so findet man die Theorie das mit dem Rückgang der Eisdecke in den skandinavischen Gebieten, die Menschen begonnen haben dort zu siedeln (hervorzuheben ist hierbei der südliche Teil Skandinaviens). Deswegen finden wir auch im südgermanischen die Bezeichnung „Wotan oder Wodan“ und im nordgermanischen die Bezeichnung „Odin“. An diesem Beispiel erkennt man sehr gut (auch wenn sich dieses Beispiel „nur“ auf den Glauben bezieht), das die Herkunft der Wikinger, die gleichen Wurzeln haben, sie aber zu keiner Zeit ein „Volk“ als Ganzes waren.

Zu den südlichen Teilen Skandinaviens zählen heute das uns bekannte Dänemark sowie Schweden und Norwegen. Durch den Rückzug der Eisdecke wurden diese Gebiete in der Wikingerzeit nun zu fruchtbaren Gebieten, trotz des rauen Klimas. Das Leben unter diesen Bedingungen war hart und es erforderte harte Arbeit um das eigene Überleben zu sichern (Landwirtschaft, Nahrung). Die Wikinger bestellten auf diesen Gebieten nun Felder, gründeten kleine Gemeinschaften sowie Gehöfte auf denen sie lebten. Von den hier genannten Gebieten begann die Blüte der Wikingerzeit, und damit auch die Herkunft der Wikinger (skandinavischer Raum).


Wie sahen die Wikinger aus?

Wie sahen die Wikinger aus? Das Aussehen bzw. die Kleidung variierte, je nach dem ob „Krieger“ oder Bauer. Die Beine ihrer warmen Wollhosen wurden mit den Riemen der Lederschuhe eng um die Waden geschnürt. Der langärmelige Rock reichte bis zu den Knien.

Darüber zog man häufig noch ein Kettenhemd aus ineinander verschlungenen kleinen Eisenringen. Schließlich trugen manche noch einen langen Mantel von roter, orangener, blauer oder purpurner Farbe, der eine Kapuze hatte, die man bei Regen oder Kälte über den Kopf ziehen konnte.

Um den Leib wurde ein Ledergurt mit Schnalle getragen, um die Handgelenke oder Oberarme manchmal Reifen aus Gold, Silber, Bronze. Als Kopfschutz diente in der Schlacht ein runder oder konisch zugespitzter Helm aus Metall oder dickem Leder, der gelegentlich mit einem Nasenschutz versehen war, oder aber der Brillen-Helm.

Das Haar trug man so lang, dass es den Nacken bedeckte; üblich waren auch Vollbart und spitz gestutzte Kinnbärte…

… Die Wikinger führten Schwert, Axt, Speere sowie Pfeil und Bogen, doch damit kämpften sie nur so lange, bis ihr Vorrat an Pfeilen aufgebraucht war. Die Schilde waren „kreisrunde Scheiben“ aus Holz mit einem metallenen Buckel in der Mitte, in dem der Handgriff auf der Innenseite verankert war.

Holz scheint zwar ein schwaches Material für ein Waffenstück zu sein, doch mit diesem Schild konnte man durchaus Speere oder Pfeile ablenken und einen Schwertschlag oder Axthieb abhalten. Durch die „Bemalung“ der Schilde war es für den Gegner auch schwer abzuschätzen wo die Schwachstelle des Schildes lag (Maserung).

Während Könige und Stammesfürsten persönliche Flaggen und Standarten hatten, hatte die Flagge, welche von den Wikinger in den Schlachten vorangetragen wurde, eine eigene Bedeutung für die Gefolgschaft. Sie zeigte einen Raben im Flug vorwärts. Der Rabe konnte nur dann “fliegen”, wenn das Banner stetig vorwärts durch den Wind getragen wurde. Wenn die Angreifer zögerten oder vor dem Kampf zurückschreckten, sank der Rabe hinab am Flaggenstock; dann kündigte er den Wikinger „Unheil“ an.


Wikingerschiff Oseberg Rekonstruktion
© Jørgen Kirsebom

Kühne Seefahrer

Kühne Seefahrer und Entdecker waren die Wikinger, sie wagten sich bis zu den schottischen Inseln, nach Island, Grönland und sogar bis nach Amerika. Überall wo sie hinkamen, wie in Island und Grönland, gründeten sie bleibende Kolonien.

Die Kunst des Schiffbaus ist im Mittelalter hoch geachtet und das führende „Volk“ auf diesem Gebiet der Schiffsbaukunst, sind im Mittelalter die Wikinger.

Bei Ausgrabungen gefundene Wikinger Langschiffe belegen, dass Schiffe mit Platz für bis zu 200 Krieger und eine Länge von 36 Meter keine Seltenheit waren.

Für junge Wikinger gab es keine richtigen Schulen, in denen man ihnen ihre Kriegs- und Seefahrerkünste beibrachte. Ihre Schulen waren die Meere und Flüsse, der Alltag und die sogenannten „Schlachtfelder“. Dort lernten sie navigieren, den Stürmen zu trotzen und gegen eine Übermacht um ihr Leben zu kämpfen.


Ein kurzer Eindruck aus der Wikingerzeit

Dieses Video orientiert sich an dem, was wir heute zu wissen glauben, denn uns fehlen die, wie auch zu anderen (wahren) geschichtlichen Themen, echte Quellen. Dazu müßten alle Themen „Germanen, Kelten, Wikinger etc.“ neu und akribisch aufgearbeitet werden. Betrachte das Video also als das was es ist, nur einen kurzen Blick auf, daß was die Wikingerzeit vermutlich war.


Recht und Ordnung, das Thing / Ding oder Althing

Die Wikinger glaubten an Recht und Ordnung, dies war ein fester Bestandteil der Wikingerzeit bzw. der germanischen Zeit. Das Thing, eine Versammlung, die teils als „Parlament“, teils als Gericht stattfand, war die erste derartige Einrichtung in Europa. Das Althing ist das heutige „Parlament“ von Island und geht auf das Jahr 930 zurück.

Das Thing oder die „Rechtssprechung“ fand nach alten germanischen Brauch statt, an den sogenannten „Thingplätzen oder Thingstätte“. Entweder zu festgelegten Zeiten oder bei besonderen Anlässen (Verhandlungen, Streitigkeiten etc.). Tacitus schreibt dazu einiges in seiner Germania (Erdichtung oder Wahrheit?). Teilweise lagen diese Orte unter einem Baum. In späterer Zeit dann unter einer Linde (Baum).

Heute findet man noch viele Orte auf der Gebietsbezeichnung „Deutschland“ wo Jahrhunderte alte Linden und Plätze der Rechtsprechung erhalten geblieben sind. Das Christentum nutzte diese Orte in späterer Zeit, und baute an diese Orte Kirchen…

… In der deutschen Sprache finden wir heute viele Ableitungen als Adjektiv von dem Wort „Thing“ bzw. „Ding“. So zum Beispiel im sogenannten „deutschen Recht“ die Begrifflichkeiten „dingliches Recht, dingfest, dingflüchtig“. Oder aber als Verb, wie zum Beispiel „bedingt, Bedingung, unabdingbar, Bedingte Annahme“.

Eine weitere wichtige Rolle bei dem Thing spielte der Gott Tyr oder Tiwaz (Urgermanisch: Teiwaz, Tiwaz), dieser Gott steht unter anderem für Gerechtigkeit sowie den Kampf und Sieg.

Anmerkung: Wann und wo die sogenannten „Wochentage“ eingeführt wurden, und zu welchen Zweck, das mag jeder selbst für sich herausfinden (ebenso die sogenannten „Kalender“).

Das was wir heute aber als „Dienstag“ bezeichnen, hat seinen Ursprung im germanischen bzw. dem Wort oder dem Gott „Tyr“, denn dieser „Tag“ wurde von den Germanen dem Gott Tyr / Tiwaz gewidmet.


Kriegerisches Volk Wikinger
© Klaudia Karpińska / hrafnphotography.wordpress.com

Kriegerische „Kultur“?

Ein Wikinger war schnell bereit, das Schwert oder Axt zu ziehen, wenn er wusste, dass ihm Unrecht geschehen war. Gewöhnlich kämpften Wikinger innerhalb der Sippe jedoch nicht gegeneinander, außer in Fecht- und Ringkämpfen.

Die Wikinger hatten es nicht nötig, sich gegenseitig ihre Tüchtigkeit zu beweisen, denn ihren Mut konnten sie zur Genüge im Kampf gegen den sogenannten „Feind“ zeigen. Dies war eine Selbstverständlichkeit unter den Wikinger, bei denen Feigheit undenkbar schien.

Ihre Nahkampfwaffen waren Schwert und Axt. Das Blatt der Axt war häufig mit Bronze- oder Silbereinlagen verziert. Ihre Schwerter, die an der Hüfte in einer Scheide getragen wurden, waren Meisterstücke der Schmiedekunst.

Die zweischneidige Klinge bestand aus gehärtetem Stahl, und das Heft war nicht selten prachtvoll mit Silber eingelegt. Die Wikinger waren nicht unbedingt eine friedliche „Gesellschaft“ (aus heutiger Sicht), jedoch überragte der Drang die Welt zu erkunden, ihre Liebe zu den Worten und der Sinn für die Schönheit des Lebens. Stets auf der Suche nach einem guten Ort zum Leben.

Das Wikingerzeitalter umfasst nach allgemeiner Auffassung etwa die Jahre zwischen 800 und 1100, auch wenn skandinavische Händler schon zu Römerzeiten an den Ostseeküsten und in Nordeuropa bekannt waren und ihre Geschichte auf Island und Grönland weit über das Jahr 1100 hinaus reicht.

Der wikingische Einfluss ist bis zum heutigen Tage spürbar in den Sitten und Gebräuchen, Gesetzen, Wochentage, Ortsnamen und Stammbäumen der Menschen in weiten Teilen der Erde, zu denen sich die Wikinger vor über tausend Jahren vorgewagt hatten. In unserer heutigen Zeit steht das Wort „Wikinger“ für Abenteuer, Tatendrang, Ruhm, Ehre und Mythen.


Wikingerzeit, die Wikinger und ihre Geschichte
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